Wechseljahre
„Was ist mit mir los?“ Wie aus Unsicherheit in den Wechseljahren Orientierung werden kann
von Angela Thielen · 02. November 2026
Ich habe mich damals oft gefragt, was mit mir los ist.
Warum konnte ich mich nicht mehr so konzentrieren wie früher? Warum hatte ich weniger Lust auf Sex? Und wo war diese innere Stabilität geblieben, auf die ich mich jahrzehntelang verlassen konnte, in der Bank, an der Börse, später an der Seite der Geschäftsführung?
Sogar mein Selbstbewusstsein wackelte. Ich gefiel mir mit meiner Figur nicht mehr und fand andere Frauen plötzlich attraktiver als mich. Niemand hatte zu mir gesagt, ich hätte mich verändert oder früher besser ausgesehen. Diese Zweifel kamen ganz allein aus mir selbst. Warum, konnte ich mir nicht erklären. Im Nachhinein erschreckt mich, wie sehr ich mich damals auf mein Äußeres reduziert habe.
Und das war längst nicht alles. Ich schlief schlecht, meine Energie war schneller aufgebraucht als früher. Meine Gedanken gingen eigene Wege und blieben öfter am Zweifel hängen als an dem, was gut lief. Was ich mir vorgenommen hatte, schob ich vor mir her und fand jedes Mal eine gute Ausrede dafür. Und meine Stimmung? Die kam und ging, wie sie wollte.
An die Wechseljahre habe ich lange nicht gedacht.
Heute bin ich 62. Seit 17 Jahren bin ich in den Wechseljahren, seit neun Jahren davon in der Postmenopause, und die ganze Zeit stand ich voll im Berufsleben. Ich begleite leistungsgewohnte Frauen, die heute dort stehen, wo ich damals stand. Frauen, die im Beruf Verantwortung tragen. Und Frauen, die zu Hause enorm viel leisten, ihrem Partner den Rücken freihalten oder ihre Eltern oder Schwiegereltern pflegen. Ich weiß: Ich war mit meinen Fragen nicht allein. Und viele Frauen stellen sie sich heute genauso.
Warum viele Frauen ihre Beschwerden nicht den Wechseljahren zuordnen
Wechseljahre? Da denken die meisten sofort an Hitzewallungen. Dieses Bild sitzt so fest, dass kaum eine Frau auf die Idee kommt, es könnten die Wechseljahre sein, wenn die Stimmung schwankt oder sich Brain Fog breitmacht. Oder wenn das Sofa plötzlich lauter ruft als alles andere: Leg dich hin, leg die Beine hoch. Und die Lust auf Sport, auf Bewegung, manchmal auch auf Sex, die eben noch da war, bröckelt schneller, als einem lieb ist.
Dabei kann all das zu den Wechseljahren gehören.
Die Deutsche Menopause Gesellschaft zählt rund 35 verschiedene Symptome. In der MenoSupport-Befragung berufstätiger Frauen nannten 82 Prozent Hitzewallungen und Nachtschweiß. Noch häufiger aber waren Erschöpfung, Schlafstörungen und Reizbarkeit, jeweils bei über 90 Prozent.
Viele Frauen denken: Wechseljahre, das kommt doch erst mit Anfang fünfzig. Tatsächlich haben Frauen ihre letzte Regelblutung im Durchschnitt mit 51 Jahren.
Doch die Veränderungen beginnen meist schon ab Mitte vierzig, und sie kommen schleichend. Wer dann schlecht schläft und gereizt ist, denkt an vieles. An die Wechseljahre zuletzt.
Natürlich steckt nicht hinter allem gleich der Hormonhaushalt. Aber übersehen sollte man ihn auch nicht. Genau deshalb ist eine ärztliche Abklärung so wichtig.
Und dann ist da noch etwas, das ich bei leistungsgewohnten Frauen immer wieder erlebe, mich eingeschlossen: Wir haben für alles eine Erklärung. Zu viel Arbeit. Die Kinder, die Eltern, die Partnerschaft. Ein Alltag, der nie Pause macht.
Stress kennen wir, Stress können wir. Also schieben wir es darauf. Das fühlt sich vertrauter an als der Gedanke, dass sich im eigenen Körper wieder einmal etwas Grundlegendes verändert. So wie damals in der Pubertät.
Dass wir so schnell beim Stress landen, hat auch mit fehlendem Wissen zu tun.
Der Bericht „Gleichberechtigt in den Wechseljahren“, den die Antidiskriminierungsstelle des Bundes im Oktober 2026 veröffentlicht hat, hält fest: Laut Studien fehlt vielen Frauen selbst das Grundwissen über die Symptome. Schlaflosigkeit, Gelenkschmerzen oder Gereiztheit mit der Hormonumstellung in Verbindung zu bringen, fällt ihnen schwer. Den Grund sieht der Bericht nicht bei den Frauen, sondern in fehlenden Strukturen, die sie in dieser Lebensphase begleiten.
Ich habe nach jedem Strohhalm gegriffen
Mir fehlte damals eine Begleitung. Wo ich auch nachgelesen habe, fand ich vieles, aber nie genau das, was zu mir passte. Das ist kein Vorwurf. Jede Frau erlebt die Wechseljahre anders, und eine Lösung für alle gibt es nicht.
Also habe ich ausprobiert, was ich in Zeitschriften gelesen und auf Social Media gesehen habe.
Nahrungsergänzungsmittel, Tees, Cremes, Atemtechniken. Ich war dankbar, dass es all diese Ratschläge gab. Alles hat seine Berechtigung, und manches hat mir eine Zeit lang auch richtig gutgetan.
Nur war ich ungeduldig. Ich habe Mittel nicht so lange genommen, wie man sie mir angeraten hatte. Und ich habe zu vieles gleichzeitig ausprobiert, einmal so viel, dass ich am Ende vor allem Durchfall hatte. Das war kein Leichtsinn, sondern Hilflosigkeit. Ich habe einfach nach Unterstützung gesucht.
Ich wollte meine Klarheit zurück. Meine Energie. Mich.
Deshalb verstehe ich jede Frau, die vieles ausprobiert. Dafür muss sich niemand rechtfertigen. Einiges habe ich übrigens bis heute beibehalten: meine Atemtechnik zum Beispiel und auch manche Nahrungsergänzungsmittel. Nur nehme ich sie heute gezielter.
Damals aber merkte ich: Je mehr ich durcheinander probierte, desto weniger wusste ich, was eigentlich half. Der Frust wuchs, die Unsicherheit auch.
Nicht die Mittel waren falsch. Mir fehlte der Überblick.
Meine ersten Schritte aus der Unsicherheit
Irgendwann habe ich angefangen, Buch zu führen. Was stelle ich an mir fest? Wann schlafe ich schlecht? Wann fehlt mir die Konzentration? Wann kippt meine Stimmung?
Mit diesem Zettel bin ich zu der Frauenärztin gegangen, bei der ich nach mehreren Arztbesuchen gelandet war. Nicht mit einem vagen „Irgendwie stimmt etwas nicht“, sondern mit konkreten Beobachtungen. Ich wollte wissen: Sind das die Wechseljahre, oder steckt etwas ganz anderes dahinter?
In meiner Familie gibt es Demenz, und diese Sorge saß mit im Raum. Auch das ließ ich abklären. Mit Demenz hatten meine Beschwerden nichts zu tun. Meine Frauenärztin ließ auch meine Hormonwerte bestimmen. Am Ende war das Bild eindeutig: Meine Beschwerden gehörten zu den Wechseljahren.
Übrigens: Einen einzelnen Test, der die Wechseljahre sicher nachweist, gibt es nicht. Warum das so ist, erkläre ich im zweiten Teil dieser Reihe.
Meine Frauenärztin empfahl mir zunächst eine andere Behandlung. Die habe ich sechs Wochen lang angewendet, doch für mich stellte sich keine Verbesserung ein. Also habe ich mich entschieden, eine Hormonersatztherapie auszuprobieren.
Das ist ausdrücklich keine Empfehlung. Ich erzähle es, weil es zu meinem Weg gehört. Was zu einer anderen Frau passt, kann nur sie selbst gemeinsam mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt klären.
Gleichzeitig wurde mir klar: Ich muss auch selbst anders vorgehen. Nicht noch ein Tipp, nicht noch ein Versuch auf gut Glück. Sondern Schritt für Schritt, mit System.
So, wie ich es aus meinem Berufsleben kannte. Daraus ist meine heutige Arbeit entstanden.
Hätte ich es mit dem heutigen Wissen anders gemacht?
Diese Frage stelle ich mir oft. Wäre es mir besser ergangen, wenn ich damals all die Informationen gehabt hätte, die ich heute habe?
Meine ehrliche Antwort: Ich weiß nicht, ob ich mein heutiges Wissen damals angewandt hätte.
Mein Weg sah anders aus. Vielleicht musste ich erst nach jedem Strohhalm greifen, um zu verstehen, was ich wirklich brauchte, körperlich wie mental.
Doch Wissen allein verändert noch nichts. Dann kam die Umsetzung, und die war manchmal ganz schön hart. Ich habe ausprobiert, angepasst, verworfen und wieder neu angefangen. Das ging nicht in fünf Tagen. Es brauchte Zeit, Geduld und manchmal einen zweiten Anlauf. Manches passe ich bis heute an.
Deshalb sage ich ehrlich: Wissen ist der Anfang, nicht das Ziel. Trotzdem habe ich erlebt, wie viel Unsicherheit nachlässt, wenn man versteht, was gerade passiert. Und wie gut es tut, Schritt für Schritt ins Handeln zu kommen.
Was Orientierung gibt
Vielleicht hast du dich in meinen Fragen von damals wiedererkannt. Dann ist mir eines wichtig: Du hast nichts verloren. Deine Erfahrung, dein Urteilsvermögen, dein Verantwortungsgefühl sind noch da. Verändert haben sich deine Hormone, und die wirken nicht isoliert.
Wie die Gynäkologin Prof. Dr. Petra Stute erklärt, kann eine Veränderung der Sexualhormone auch die Botenstoffe im Gehirn verändern. Körper und Kopf, Schlaf, Energie, Konzentration und Stimmung greifen ineinander. Wer schlecht schläft, hat oft weniger Energie, kann sich schlechter konzentrieren und ist schneller gereizt.
Es geht also nicht darum, die Frau von früher zurückzuholen. Es geht darum, dich auf diese neue Lebensphase neu auszurichten. Aus Unsicherheit kann wieder Sicherheit werden. Der Weg dahin sieht für jede Frau anders aus.
Nimm dir einen Moment für drei Fragen:
Was ist heute anders als vor drei, vier Jahren? In deinem Körper, beim Schlaf, bei der Energie, bei der Konzentration, bei der Stimmung, bei der Lust?
Wie hast du dir diese Veränderungen bisher erklärt?
Und was würdest du einer guten Freundin raten, die dir genau das erzählt?
Schreib die Antworten ruhig auf. Ein Zettel kann ein Anfang sein.
Dein nächster Schritt
Wenn du deine Antworten genauer einordnen möchtest, bevor du entscheidest, wie du weitermachst: Dafür habe ich das Strategische Selbstführungs-Risiko-Profil™ entwickelt. Es betrachtet vier Bereiche, die eng zusammenhängen: wie du denkst und dich steuerst, wie du mit Gefühlen umgehst, wie es um deine Energie steht und wie du deinen Alltag bewältigst. Es ist keine medizinische Diagnose, sondern eine strukturierte Selbsteinschätzung. Sie zeigt dir, wo du gut aufgestellt bist und wo du bereits ausgleichst, oft ohne es zu merken.
→ Zum Strategischen Selbstführungs-Risiko-Profil™
Medizin erklärt die hormonellen Veränderungen. Ich begleite Frauen dabei, ihren Auswirkungen mit Klarheit zu begegnen.
Angela Thielen
Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn du Beschwerden hast, sprich bitte mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Quellen
Antidiskriminierungsstelle des Bundes (Oktober 2026): Gleichberechtigt in den Wechseljahren. Handlungsempfehlungen für Diskriminierungsschutz, Gesundheit und Wertschätzung. Policy Paper von Miriam Stein und Franzi von Kempis. antidiskriminierungsstelle.de
Rumler, Andrea und Memmert, Julia (2024): Forschungsprojekt MenoSupport. Ergebnisse der ersten deutschlandweiten Befragung zum Thema Wechseljahre am Arbeitsplatz, HWR Berlin. Zur Studie (PDF)
AWMF: S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen, Kurzfassung 2026. Zur Leitlinie (PDF)
Hedges, M. S. et al. (2026): Internationale Befragung von 17.494 Frauen zum Wissen über Symptome der Perimenopause, in: Menopause, doi:10.1097/GME.0000000000002730. Bericht auf Healio
gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit in Zusammenarbeit mit dem IQWiG: Wechseljahre (Stand 03.02.2023). Zum Artikel
Deutsches Ärzteblatt (17.11.2023): Frauen im mittleren Alter bei unspezifischen Symptomen auch an die Wechseljahre denken (Pressekonferenz der Deutschen Menopause Gesellschaft). Zum Artikel
hkk Krankenkasse (22.10.2024): Gesundheitsreport, Interview mit Prof. Dr. Petra Stute, Inselspital Bern. Zum Interview (PDF)
Gava, G., Orsili, I., Alvisi, S., Mancini, I., Seracchioli, R., Meriggiola, M. C.: Cognition, Mood and Sleep in Menopausal Transition: The Role of Menopause Hormone Therapy, Universität Bologna. Zur Studie