Jobsuche & Selbstwert: Berufliche Neuorientierung für Frauen
Mehr als nur ein neuer Job: Wie du in der beruflichen Neuorientierung bei dir bleibst
von Nina Hartmann · 02. Oktober 2026
Eine neue Stelle zu suchen, klingt zunächst nach einer ziemlich sachlichen Aufgabe: Stellenanzeigen lesen, Lebenslauf aktualisieren, Bewerbungen schreiben, Gespräche führen.
Doch wer selbst schon einmal länger auf Jobsuche war, weiß: Irgendwann geht es um sehr viel mehr als um den nächsten Arbeitsvertrag.
Eine Absage kommt. Dann vielleicht noch eine. Auf eine Bewerbung gibt es gar keine Reaktion. Ein Gespräch fühlte sich richtig gut an – und trotzdem entscheidet sich das Unternehmen für jemand anderen.
Und irgendwann verändert sich die innere Frage.
Aus „Welche Aufgabe passt zu mir?“ wird schleichend:
„Will mich überhaupt noch jemand?“
Genau an dieser Stelle wird berufliche Neuorientierung zu einer Aufgabe der Selbstführung. Denn jetzt geht es nicht mehr nur darum, eine passende Stelle zu finden. Es geht auch darum, den eigenen Wert nicht mit jeder Reaktion des Arbeitsmarktes innerlich herabzusetzen.
Eine Absage ist kein Urteil über dich
Natürlich wissen wir das rational.
Ein Unternehmen entscheidet sich für einen anderen Menschen, weil dessen Erfahrung gerade besser passt. Weil intern etwas verändert wurde. Weil jemand anderes eine bestimmte Qualifikation mitbringt. Oder aus Gründen, die wir niemals erfahren werden. Zum Beispiel weil sie ausschreiben mussten, um Prozesse einzuhalten, aber eigentlich schon jemanden im Auge hatten.
Unser Inneres ist leider nicht immer so nüchtern. Es stellt sich zweifelnde Fragen:
Bin ich noch relevant?
Bin ich inzwischen zu alt?
Habe ich mich falsch entschieden?
Bin ich qualifiziert genug?
Warum klappt es bei anderen und bei mir nicht?
Und je länger eine berufliche Übergangsphase dauert, desto leichter wird aus einem äußeren Ereignis eine vermeintlich innere Wahrheit.
Genau da lohnt es sich, genauer hinzuhören.
Welche Stimme spricht gerade?
In meiner Arbeit beschäftige ich mich intensiv mit dem Voice Dialogue, einem Ansatz, der davon ausgeht, dass in uns unterschiedliche innere Teil-Selbste wirken.
Das klingt theoretischer, als es im Alltag ist.
Wir alle kennen diese Stimmen.
Da gibt es vielleicht eine innere Kritikerin, die ziemlich genau weiß, was wir alles nicht können.
Eine Antreiberin, die sofort die Lösung kennt: mehr Bewerbungen, mehr Fortbildungen, noch bessere Vorbereitung.
Eine Pleaserin, die im Vorstellungsgespräch sehr schnell spürt, was das Gegenüber hören möchte.
Und eine Verantwortliche, die nicht nur über die neue Stelle nachdenkt, sondern gleichzeitig über Kinder, Eltern, Partnerschaft, Finanzen, Fahrtwege und das gesamte familiäre Gefüge.
Das Problem ist nicht, dass diese Stimmen da sind.
Sie haben alle ihre Berechtigung. Häufig wollen sie uns sogar schützen. Und sie erklären ganz wunderbar, warum die Frage: „Was will ich?“ oft widersprüchliche Antworten bekommt.
Schwierig wird es, wenn wir eine dieser Stimmen mit uns selbst verwechseln.
„Ich habe Angst, dass ich nicht gut genug bin“ ist etwas anderes als „Ich bin nicht gut genug.“
Diese Erkenntnis entlastet uns.
Voice Dialogue bedeutet für mich deshalb nicht, den inneren Kritiker zum Schweigen zu bringen. Es geht darum, einen inneren Raum zu schaffen, in dem wir wieder unterscheiden können:
Wer spricht gerade?
Warum meldet sich diese Stimme?
Was möchte sie verhindern?
Und welche anderen Stimmen in mir werden gerade gar nicht gehört?
Denn irgendwo gibt es vielleicht auch die erfahrene Frau, die längst weiß, was sie geleistet hat.
Die mutige Frau, die schon ganz andere Veränderungen bewältigt hat.
Die klare Frau, die inzwischen sehr genau spürt, in welchem Umfeld sie arbeiten möchte – und in welchem nicht mehr.
Selbstführung beginnt dort, wo wieder das ganze innere Orchester spielen darf und nicht eine einzige Stimme die Klassensprecher-Rolle übernimmt.
Warum Frauen dabei oft noch mehr gleichzeitig verhandeln
Natürlich erleben auch Männer berufliche Unsicherheit und Selbstzweifel.
Mein Fokus im Leuchtraum liegt trotzdem bewusst auf Frauen.
Denn bei vielen Frauen wird eine neue berufliche Aufgabe gleichzeitig mit einem ganzen Lebensmodell verhandelt.
Wie funktioniert eine Führungsposition mit meinen Kindern?
Was ist, wenn meine Mutter künftig mehr Unterstützung braucht?
Beim bisherigen Arbeitgeber hatte ich meine Flexibilität mühsam ausgehandelt. Muss ich wieder bei null anfangen?
Kann ich drei Tage Präsenz leisten?
Was ist mit Dienstreisen?
Was bedeutet ein längerer Arbeitsweg für unsere Familie?
Und während diese Fragen innerlich geklärt werden, kommt nicht selten noch die Petitesse-Falle dazu.
Wir schauen auf das, was uns fehlt – und behandeln das, was wir längst können, wie eine Selbstverständlichkeit.
20 Jahre Berufserfahrung? Na ja.
Ein Team geführt? Es waren ja nur zwölf Mitarbeitende.
Eine Krise gemeistert? Das gehörte eben dazu.
Drei Anforderungen der neuen Stelle noch nie gemacht? Problem!
Und plötzlich wird das vermeintliche Defizit größer als die gesamte eigene Erfahrung.
Wir halten unsere Leistungen und Erfahrungen für Petitessen.
Weibliche Wirkkraft bedeutet für mich deshalb nicht, Frauen beizubringen, sich einfach besser zu „verkaufen“.
Es geht tiefer.
Es geht darum, sich selbst in der eigenen Komplexität führen zu können.
Für andere da sein zu dürfen, ohne sich selbst zu vergessen.
Harmonie zu schätzen, ohne die eigenen Bedürfnisse dafür aufzugeben.
Verantwortung zu übernehmen, ohne für alles verantwortlich zu sein.
Und die eigenen Fähigkeiten nicht kleiner zu machen, nur damit man niemandem zu groß erscheint.
Manches lässt sich nicht im Kopf lösen
Genau an diesem Punkt berührt sich Voice Dialogue für mich mit einer ganz anderen Arbeit, die Myriam und ich gemeinsam machen: unseren Pferdecoachings.
Denn wir können sehr viel verstehen.
Wir können unsere Muster analysieren, Bücher lesen, reflektieren und uns vor einem Bewerbungsgespräch zehnmal sagen:
Ich bin gut. Ich kann das. Ich muss selbstbewusst auftreten.
Und trotzdem kann unser Körper eine völlig andere Geschichte erzählen.
Wir stehen nicht richtig auf unseren Füßen. Wir halten den Atem an. Werden enger. Beobachten permanent die Reaktion des Gegenübers.
Pferde reagieren nicht auf unseren Lebenslauf und auch nicht auf unsere schön formulierte Selbstdarstellung.
Sie reagieren auf Präsenz.
Auf Spannung.
Auf Klarheit.
Auf Grenzen.
Und auf die Frage, ob ein Mensch tatsächlich bei sich ist.
Deshalb berührt mich diese Arbeit immer wieder.
Eine Frau muss beim Pferd nicht erklären, warum sie kompetent ist.
Sie kann auch nicht mit einem perfekten Elevator Pitch überzeugen.
Sie begegnet einem anderen Wesen – und bekommt eine unmittelbare Resonanz darauf, wie sie gerade in der Welt steht.
Manchmal verändert sich dabei äußerlich fast nichts.
Ein Atemzug.
Ein anderer Stand.
Die Füße bekommen wieder Boden.
Der Blick hebt sich.
Der eigene Raum wird selbstverständlich eingenommen.
Und plötzlich entsteht Präsenz.
Nicht dieses aufgesetzte: „Ich bin total selbstbewusst.“
Sondern etwas viel Ruhigeres:
Ich bin da.
Vielleicht ist das eines der stärksten Fundamente, mit denen wir auch in ein Bewerbungsgespräch gehen können.
Nicht: Wie muss ich sein, damit ihr mich wollt?
Denn dann verändert sich noch etwas.
Das Bewerbungsgespräch ist nicht länger eine Prüfung, in der eine Seite entscheidet, ob die andere genügt.
Es wird zu einer Begegnung.
Natürlich möchte ich wissen, ob das Unternehmen mich will.
Aber ich darf genauso fragen:
Will ich euch?
Wie führt ihr?
Wie geht ihr mit Fehlern um?
Was bedeutet Flexibilität bei euch wirklich?
Wie werden Entscheidungen getroffen?
Kann ich meine Erfahrung hier einbringen?
Kann ich mich entwickeln?
Und kann ich in diesem Umfeld nicht nur funktionieren, sondern wirklich etwas bewirken?
Das ist kein übertriebener Anspruch.
Ein schlechter Match kostet am Ende beide Seiten.
Und wie gehen Unternehmen mit denen um, die sie nicht brauchen?
Deshalb gehört für mich zu diesem Thema auch die Arbeitgeberseite.
Unternehmen investieren viel in Employer Branding. Sie formulieren Werte, gestalten Karriereseiten und überlegen, wie sie gute Fach- und Führungskräfte gewinnen können.
Aber vielleicht zeigt sich die Kultur eines Unternehmens an einer ganz anderen Stelle besonders deutlich:
Wie behandeln wir einen Menschen, sobald feststeht, dass wir nichts von ihm brauchen?
Die Kandidatin, die nach drei Gesprächen nicht ausgewählt wurde.
Der Bewerber, dessen Profil nicht passt.
Die Frau, die sich nach 25 Berufsjahren neu orientieren muss.
Natürlich kann ein Unternehmen nicht jedem Menschen einen Job geben.
Aber es kann jedem Menschen respektvoll begegnen.
Eine klare Antwort. Eine zeitnahe Rückmeldung. Nach mehreren persönlichen Gesprächen vielleicht auch ein persönlicher Satz.
Das klingt simpel.
Ist es aber nicht.
Denn unsere Werte zeigen sich nicht nur im Umgang mit den Menschen, von denen wir etwas wollen. Sie zeigen sich besonders im Umgang mit denen, von denen wir gerade nichts brauchen.
Genau dafür gibt es Open2Work im Leuchtraum
Mit Open2Work im Leuchtraum für Frauen möchte ich deshalb einen etwas anderen Raum für berufliche Neuorientierung schaffen.
Nicht:
Bitte gebt mir eine Chance.
Sondern:
Das bin ich. Das bringe ich mit. Das suche ich. Und unter diesen Bedingungen kann ich meine Kraft und Kompetenz wirklich einbringen.
Frauen können derzeit kostenfrei ein Open2Work-Profil anlegen – auf Wunsch auch anonym.
Und ich wünsche mir Unternehmen, Personalverantwortliche und Personalberatungen, die regelmäßig in diese Profile schauen.
Vielleicht nicht ausschließlich mit einer fertigen Stellenbeschreibung in der Hand.
Sondern auch mit Neugier:
Wer ist da eigentlich? Welche Erfahrung finden wir hier? Welche Frau könnte etwas in unserem Unternehmen bewegen, an das wir bisher vielleicht noch gar nicht gedacht haben?
Denn vielleicht brauchen wir auf dem Arbeitsmarkt nicht nur mehr Bewerbungen.
Wir brauchen bessere Begegnungen.
Und Frauen, die während ihrer Suche eines nicht vergessen:
Eine Absage darf dich verunsichern. Sie darf wehtun. Aber sie darf nicht darüber entscheiden, wie groß oder klein du dich selbst siehst.
Dein beruflicher Wert entsteht nicht in dem Moment, in dem ein Unternehmen Ja zu dir sagt.
Er war vorher schon da.
Komm in die kostenlose Community oder zeige dich open2workm, ganz wie es in dein Leben passt: https://frauenleuchtraum.de/
Und den Unternehmen sage ich, schaut vorbei, es kostet nichts und bringt ganz viel.
Herzlichst Eure Nina Hartmann