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Open to work heißt nicht, alle Arbeitsstellen anzunehmen

Open to Work: Wie finde ich einen Job, der wirklich zu mir passt?

von Nina Hartmann · 26. August 2026

Open to Work: Wie finde ich einen Job, der wirklich zu mir passt?
Einen neuen Job zu suchen, ist das eine.
Eine Arbeitsstelle zu finden, die wirklich zu mir passt, ist etwas ganz anderes.
Natürlich brauchen die meisten von uns ein Einkommen. Und wenn eine Stelle wegfällt, ein Unternehmen Stellen abbaut oder wir nach einer längeren Pause wieder einsteigen möchten, ist die erste Frage häufig sehr pragmatisch:

Wo werde ich gebraucht – und wer stellt mich ein?
Das ist legitim.
Aber gerade Frauen mit viel Berufserfahrung dürfen sich noch eine zweite Frage stellen:
Wo möchte eigentlich ich arbeiten?
Wo kann ich meine Erfahrung einbringen? Wo werde ich als Mensch gesehen? Wo darf ich Verantwortung übernehmen? Welche Führung brauche ich? Welche Unternehmenskultur entspricht mir? Was brauche ich, damit ich morgens gerne zur Arbeit gehe und abends nicht dauerhaft erschöpft nach Hause komme?

Und vielleicht die wichtigste Frage:
Unter welchen Bedingungen kann ich wirklich gut sein?
Einen Job finden – oder den richtigen Arbeitgeber?
Viele Bewerbungsprozesse funktionieren noch immer in eine Richtung.
Das Unternehmen beschreibt die Stelle.
Das Unternehmen formuliert Anforderungen.
Das Unternehmen definiert Qualifikationen.
Und die Bewerberin versucht anschließend zu zeigen, warum sie möglichst gut in dieses Raster passt.

Natürlich muss ein Unternehmen prüfen, ob eine Bewerberin fachlich zur Aufgabe passt.
Aber warum stellen wir die Frage nicht genauso selbstverständlich andersherum?
Passt dieses Unternehmen eigentlich zu dieser Frau, zu mir?
Denn eine berufliche Beziehung funktioniert langfristig nicht dadurch, dass nur eine Seite Erwartungen formulieren darf.
Gerade erfahrene Frauen bringen häufig sehr viel mit: fachliche Kompetenz, Führungserfahrung, Menschenkenntnis, Krisenerfahrung, Verantwortungsbewusstsein, Netzwerke und ein ziemlich gutes Gespür dafür, unter welchen Bedingungen sie hervorragende Arbeit leisten können.
Warum sollten diese Erwartungen im Bewerbungsprozess keine Rolle spielen?
Was brauche ich, damit eine Arbeitsstelle zu mir passt?

Bevor du die nächste Stellenbörse öffnest, lohnt sich deshalb ein anderer erster Schritt.
Nicht:
Welche Stellen sind gerade ausgeschrieben?
Sondern:
Wie möchte ich eigentlich arbeiten?
Das klingt zunächst banal. Ist es aber nicht.
Denn dazu gehören sehr konkrete Fragen:
Welche Aufgaben möchte ich übernehmen?
Welche Verantwortung möchte ich tragen?
Möchte ich führen – und wenn ja, wie?
Wie viel Gestaltungsspielraum brauche ich?
Möchte ich strategisch oder operativ arbeiten?
Wie wichtig sind mir flexible Arbeitszeiten und mobiles Arbeiten?
Wie viel Präsenz wünsche ich mir?
Wie viel Einkommen brauche und erwarte ich?
Welche Entwicklungsmöglichkeiten sind mir wichtig?
Welche Unternehmenskultur brauche ich?
Wie möchte ich geführt werden?
Wie wichtig sind mir Wertschätzung, Eigenverantwortung und Vertrauen?
Und welche Dinge möchte ich schlicht nicht mehr akzeptieren?
Gerade der letzte Punkt ist wichtig.
Berufserfahrung bedeutet nämlich nicht nur, dass wir immer mehr können.
Sie bedeutet auch, dass wir immer besser wissen dürfen, was nicht mehr zu uns passt.
Deine Erwartungen an einen Arbeitgeber sind kein Luxus
Frauen fällt es nicht immer leicht, ihre Erwartungen an einen Arbeitgeber klar zu formulieren.
Gerade wenn die Jobsuche schon länger dauert, entsteht schnell ein anderes Gefühl:
Ich sollte froh sein, wenn mich überhaupt jemand nimmt.
Dann werden Anforderungen kleiner.
Gehaltsvorstellungen vorsichtiger.
Wünsche nach Flexibilität relativiert.
Und manchmal wird schon im Bewerbungsprozess wieder versucht, sich möglichst passend zu machen.
Natürlich gibt es Situationen, in denen wirtschaftliche Realität Vorrang hat. Wer dringend ein Einkommen benötigt, hat möglicherweise nicht die Freiheit, monatelang auf den perfekten Arbeitgeber zu warten.
Das sollten wir nicht romantisieren.
Aber auch dann darf die Frage bestehen bleiben:
Was brauche ich langfristig, damit ich an meinem Arbeitsplatz gut arbeiten kann?
Denn eine Stelle, die bereits strukturell nicht zu dir passt, wird nicht automatisch passend, nur weil du einen Arbeitsvertrag unterschrieben hast.
Der passende Job ist mehr als Aufgabenbeschreibung und Gehalt
Ob eine Arbeitsstelle zu uns passt, entscheidet sich auf mehreren Ebenen.
Natürlich muss die Aufgabe stimmen.
Auch das Gehalt muss stimmen.

Aber daneben gibt es weitere Faktoren:
Kompetenz: Kannst du das einbringen, was du wirklich kannst?
Entwicklung: Kannst du noch lernen, wachsen und Verantwortung übernehmen?
Autonomie: Hast du genügend Entscheidungs- und Gestaltungsspielraum?
Führung: Wirst du kontrolliert oder wird dir vertraut?
Kultur: Wie gehen Menschen miteinander um, wenn es schwierig wird?
Wertschätzung: Wird deine Arbeit tatsächlich gesehen?
Sinn: Kannst du dich mit dem identifizieren, was das Unternehmen tut?
Lebensrealität: Passt die Arbeit zu deinem tatsächlichen Leben?
Zugehörigkeit: Kannst du dort du selbst sein oder musst du permanent eine Rolle spielen?
Ein Unternehmen muss nicht jeden Wunsch erfüllen.
Aber die wesentlichen Dinge sollten zusammenpassen.
Warum das auch für Unternehmen ein Wirtschaftsthema ist
Über Arbeitskultur, Wertschätzung und gute Führung wird manchmal gesprochen, als handele es sich um weiche Wohlfühlthemen.
Das greift zu kurz.
Der Gallup Engagement Index Deutschland 2025 zeigt, wie groß die Herausforderung inzwischen ist: Nur 10 Prozent der Beschäftigten in Deutschland weisen eine hohe emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber auf. 77 Prozent haben nur eine geringe emotionale Bindung. Gallup beziffert die Produktivitätsverluste durch innere Kündigung für 2025 auf mindestens 119 Milliarden Euro. Beschäftigte mit hoher emotionaler Bindung weisen zudem deutlich weniger Fehltage auf. Gallup
Das bedeutet nicht, dass sich jede Kennzahl eines Unternehmens auf gute Führung reduzieren lässt.
Aber es zeigt sehr deutlich:
Wie Menschen sich bei der Arbeit erleben, ist ein wichtiges Thema.
Es betrifft Bindung, Leistung, Fehlzeiten, Fluktuation und damit letztlich die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen.
Und gleichzeitig werden qualifizierte Menschen in vielen Bereichen weiterhin gesucht. Die Bundesagentur für Arbeit identifizierte für 2025 Engpässe in 157 Berufsgattungen, auch wenn ausdrücklich kein allgemeiner Arbeitskräftemangel in Deutschland besteht. (Statistik der Bundesagentur für Arbeit⁠)
Unternehmen und qualifizierte Arbeitskräfte müssen deshalb sehr viel besser zueinanderfinden.
Vielleicht müssen wir Open to Work neu denken
Genau deshalb möchte ich den Begriff Open to Work weiter denken.
Open to Work bedeutet für mich nicht:
Bitte gebt mir irgendeinen Job.

Es bedeutet:
Ich bin offen für eine neue Aufgabe – und ich kann ziemlich klar sagen, was ich mitbringe und unter welchen Bedingungen ich meine beste Arbeit leisten kann.
Das verändert die Perspektive.
Eine erfahrene Personalerin könnte beispielsweise sagen:
Ich suche eine Führungsaufgabe in einem mittelständischen Unternehmen, in dem ich Personalentwicklung strategisch gestalten kann. Ich wünsche mir eine Geschäftsführung, die HR nicht als Verwaltung, sondern als Teil der Unternehmensentwicklung versteht.
Eine erfahrene Finanzexpertin könnte sagen:
Ich möchte Verantwortung übernehmen, aber nicht mehr in einer Kultur arbeiten, in der permanente Erreichbarkeit mit Leistungsbereitschaft verwechselt wird.
Eine Führungskraft könnte sagen:
Ich suche kein größeres Team und keinen prestigeträchtigeren Titel. Ich suche Gestaltungsspielraum, Verantwortung und ein Unternehmen, das Veränderungen wirklich will.
Das sind keine Schwächen.
Das sind wertvolle Informationen für einen Arbeitgeber.
Deshalb dürfen Frauen ihre Erwartungen sichtbar machen
Genau diese Idee steckt hinter Open2Work im Leuchtraum für Frauen.
Frauen sollen sich nicht nur mit Lebenslauf, Position und Qualifikation zeigen können.
Sie dürfen auch formulieren:
Das kann ich.
Das bringe ich mit.
Darin bin ich richtig gut.
Und:
So möchte ich arbeiten.
Je klarer diese Erwartungen werden, desto leichter können Unternehmen erkennen, ob wirklich ein Match entstehen könnte.
Denn das Ziel sollte nicht sein, möglichst viele Bewerbungen zu produzieren.
Das Ziel sollte sein, die richtigen Menschen mit den richtigen Unternehmen zusammenzubringen.
Was Unternehmen daraus lernen können

Gleichzeitig möchte ich mit Open2Work nicht nur Frauen erreichen.
Ich möchte Unternehmen erreichen.
Personalverantwortliche.
Geschäftsführungen.
Personalberatungen.
Unternehmerinnen und Unternehmer, die bereit sind, genauer hinzusehen.
Denn vielleicht ist die perfekte Kandidatin nicht diejenige, die jedes Kästchen einer Stellenbeschreibung erfüllt.
Vielleicht ist es eine Frau, die 80 Prozent davon mitbringt und zusätzlich etwas, von dem das Unternehmen noch gar nicht wusste, dass es genau das braucht.
Vielleicht möchte sie keine klassische Vollzeitstelle.
Vielleicht braucht sie mehr Flexibilität.
Vielleicht hat sie eine ungewöhnliche berufliche Biografie.
Vielleicht ist sie 50 oder 55 und bringt dafür drei Jahrzehnte Erfahrung mit.
Vielleicht möchte sie führen, aber anders, als Führung in diesem Unternehmen bisher gedacht wurde.
Dann wird Recruiting plötzlich interessant.
Denn dann suchen wir nicht mehr nur Menschen, die sich möglichst reibungslos in bestehende Strukturen einfügen.
Wir suchen Menschen, die Unternehmen weiterbringen können.
Gute Arbeitgeber werden selbst sichtbar werden müssen
Der Arbeitsmarkt der Zukunft wird aus meiner Sicht deshalb keine Einbahnstraße sein.
Nicht nur Bewerberinnen müssen erklären, warum sie interessant sind.
Auch Unternehmen müssen zeigen, warum gute Menschen gerade bei ihnen arbeiten sollten.
Wie wird bei euch geführt?
Wie geht ihr mit Fehlern um?
Was bedeutet Flexibilität tatsächlich?
Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es?
Wie viel Eigenverantwortung ist erwünscht?
Wie geht ihr mit erfahrenen Mitarbeiterinnen um?
Wie steht ihr zu Teilzeit in Führungspositionen?
Wie ernst nehmt ihr unterschiedliche Lebensphasen?
Und wie viel Unterschiedlichkeit haltet ihr tatsächlich aus?
Das sind Fragen, die Bewerberinnen stellen dürfen.
Und Unternehmen, die darauf überzeugende Antworten haben, besitzen einen Wettbewerbsvorteil.
Der Leuchtraum möchte beide Seiten zusammenbringen

Mit Open2Work möchte der Leuchtraum für Frauen deshalb einen Raum schaffen, in dem Frauen ihre beruflichen Vorstellungen sichtbar machen können – mit ihrer Erfahrung, ihrer Kompetenz und ihren Erwartungen an einen zukünftigen Arbeitgeber.
Gleichzeitig möchte ich Unternehmen, HR-Verantwortliche und Personalberatungen dazu einladen, dort hinzusehen.
Nicht nur auf Abschlüsse und bisherige Positionen.
Sondern auf Menschen.
Auf Erfahrung.
Auf Potenzial.
Auf Vorstellungen davon, wie gute Arbeit aussehen kann.
Und auf Frauen, die vielleicht nicht mehr bereit sind, sich für die nächste Position möglichst passend zu machen – die aber sehr genau wissen, welchen Wert sie einem Unternehmen bieten können.
Wir brauchen nicht nur mehr Jobs. Wir brauchen bessere Matches.
Vielleicht liegt darin eine große Chance für unsere Arbeitswelt.
Wenn Menschen dort arbeiten, wo sie ihre Fähigkeiten einbringen können, Verantwortung übernehmen dürfen, Entwicklung erleben und sich mit ihrem Arbeitsumfeld verbunden fühlen, profitieren nicht nur die Beschäftigten.
Auch Unternehmen profitieren.
Gallups aktuelle Daten zeigen, dass hohe emotionale Bindung mit geringeren Fehlzeiten und höherer Leistungsbereitschaft verbunden ist. (Gallup.com⁠)
Deshalb ist die Frage
„Was erwartest du von deinem Arbeitgeber?“
keine Luxusfrage.
Sie ist eine wirtschaftlich relevante Frage.
Und ich wünsche mir, dass immer mehr Frauen sie beantworten.
Ohne sich dafür zu entschuldigen.
Denn vielleicht besteht die Zukunft des Recruitings nicht darin, Menschen immer besser an Stellenprofile anzupassen.
Vielleicht besteht sie darin, Menschen und Unternehmen zu finden, die wirklich zueinander passen.

Häufige Fragen: Wie finde ich einen Job, der zu mir passt?
Wie finde ich heraus, welcher Arbeitgeber zu mir passt?
Definiere vor der Jobsuche nicht nur deine gewünschte Position, sondern auch deine Anforderungen an Führung, Unternehmenskultur, Arbeitszeit, Flexibilität, Verantwortung, Entwicklungsmöglichkeiten, Vergütung und Gestaltungsspielraum. Je klarer du diese Kriterien kennst, desto besser kannst du Stellenangebote und Arbeitgeber beurteilen.
Sollte ich meine Erwartungen bereits bei der Bewerbung nennen?
Wesentliche Erwartungen sollten spätestens im Bewerbungsprozess offen besprochen werden. Dabei geht es nicht darum, einen Forderungskatalog vorzulegen, sondern herauszufinden, ob beide Seiten zueinander passen. Ein Bewerbungsgespräch ist keine einseitige Prüfung, sondern sollte beiden Seiten eine fundierte Entscheidung ermöglichen.
Wie werde ich für Arbeitgeber sichtbar, wenn ich Open to Work bin?
Neben klassischen Stellenbörsen können LinkedIn, persönliche Netzwerke, Empfehlungen, Personalberatungen und spezialisierte Plattformen sinnvoll sein. Entscheidend ist, nicht nur einen Lebenslauf sichtbar zu machen, sondern möglichst klar zu kommunizieren, welche Kompetenz du anbietest und welche Aufgabe du suchst.
Was bedeutet Open2Work im Leuchtraum für Frauen?
Open2Work im Leuchtraum gibt Frauen die Möglichkeit, sich mit ihrer beruflichen Erfahrung, ihren Kompetenzen und ihren Vorstellungen von einer zukünftigen Arbeitsstelle sichtbar zu machen. Unternehmen, Personalverantwortliche und Personalberatungen können dadurch Frauen entdecken, die für ihre Organisation interessant sein könnten.
Warum ist ein guter Match zwischen Mitarbeiterin und Arbeitgeber wirtschaftlich wichtig?
Wenn Erwartungen, Aufgabe, Führung und Arbeitsumfeld besser zusammenpassen, steigen die Voraussetzungen für langfristige Bindung und Leistungsbereitschaft. Aktuelle Gallup-Daten für Deutschland zeigen deutliche Unterschiede zwischen Beschäftigten mit hoher und niedriger emotionaler Bindung hinsichtlich Fehlzeiten, Engagement und Bleibewunsch. (Gallup.com⁠)
Muss ich den perfekten Arbeitgeber finden?
Nein. Den perfekten Arbeitgeber wird es ebenso wenig geben wie die perfekte Arbeitnehmerin. Entscheidend ist, dass die für dich wesentlichen Faktoren zusammenpassen und beide Seiten bereit sind, Erwartungen offen miteinander zu besprechen.
Du bist Open to Work und suchst nicht einfach irgendeine Stelle, sondern eine Aufgabe, in der du deine Erfahrung und Kompetenz wirklich einbringen kannst? Im Leuchtraum für Frauen kannst du zeigen, was du kannst – und auch, was du von deinem zukünftigen Arbeitgeber erwartest.
Komm in den Leuchtraum, ich freue mich auf dich!

Nina Hartmann

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